DAS DOHLEN IN KUSTERDINGEN !!! IST ES EIN NEUER TREND??? WAR ES VERGESSENE TRADITION ???  

 

SAGEN UND LEGENDEN

 

Der Adler und die Dohle

Ein Adler stürzte sich hoch aus der Luft auf ein Lamm, fasste es mit seinen Krallen und trug es mit Leichtigkeit davon.
Eine Dohle hatte dies mit angesehen, und da sie sich ebenso stark glaubte wie der Adler, flog sie auf einen Widder zu. Aber vergeblich bemühte sie sich, ihn fortzubringen, sie verwickelte sich in die Wolle und konnte nun auch nicht wieder davonfliegen.
Als der Hirte sie zappeln sah, haschte er sie, beschnitt ihr die Flügel und nahm sie seinen Kindern zum Spielzeug mit.
"Ei! Ei!" riefen hocherfreut die Knaben, "wie nennt man diesen Vogel?" "Vor einer Stunde noch", antwortete der Vater, "hielt er sich für einen Adler, musste aber bald einsehen, dass er nur eine elende Dohle ist."
Wage dich nicht an Dinge, die deine Kräfte übersteigen; es gibt sonst zum Schaden noch Spott.

Die Dohle Im Nest

Ein Einsiedler sah eines Tages im Wald einen Falken. der brachte zu einem Dohlennest ein Stück Fleisch, zerriss es in kleine Stücke und fütterte damit eine kleine verwaiste Dohle.
Das verwunderte den Einsiedler. Dann dachte er:  Nicht einmal eine Dohle lässt Gott umkommen. Er hieß den Falken für die struppige Waise sorgen.
Da sieht man, dass Gott alle seine Geschöpfe ernährt, und wir sorgen uns um uns selbst. Ich werde mir keine Gedanken mehr um mein Weiterkommen machen und aufhören, Vorräte zu hamstern.
Gott lässt seine Augen von keinem Wesen, auch nicht von mir. der Einsiedler verkroch sich tiefer in den Wald und lobte Gott. drei Tage und drei Nächte blieb er ohne einen Bissen ohne einen Trunk. Am dritten Tag war der Einsiedler so entkräftet, dass er die Hände nicht mehr heben konnte. Vor Schwäche schlief er ein.
Im Traum erschien ihm ein Heiliger. der trat zum Einsiedler und sprach zu ihm: Warum sammelst du keine Speise für dich? Du denkst, Gott wird dir zu willen sein. Du versündigst dich. Gott hat die Welt also geschaffen, dass jedes Geschöpf selber für sich vorsorgt.
den Falken hieß Gott die Dohlenwaise zu füttern, weil sie selbst sich nicht helfen kann. Aber du kannst dich selbst rühren. du willst Gott versuchen. erwach und gib dir mühe wie ehedem! Da wachte der Einsiedler auf und lebte wie früher.
Leo Tolstoi

Traum eines kleinen Raben

Wenn ich bald so wie alle Raben
wird' viele eigne Kinder haben,
dann feiere ich in meinem Nest
ein richtig schönes Weihnachtsfest.

Nicht Zank und Streit

stehn da bereit und keine Hungersnot.
Der Rabengott bringt feierlich
für jeden ein Stück Brot.

Und auch die Katze feiert mit
an diesem Freudentag.
Der Rabengott will auch von ihr,
dass sie den Nächsten mag.

Dann geb' ich meiner Kinderschar
viel echte Zärtlichkeit.

Was ich selbst nie erfahren hab',
warme Geborgenheit.

Ich Narr, was sitz' ich hier und träum
vom schönsten Fest der Erde,
wo ich doch heute noch nicht weiß,
ob ich's erleben werde.

Doch bleibt's dass alle guten Taten,
nur Hoffnung haben zu geraten,
wenn's stille Träumer wie mich gibt,
die Gott am allermeisten liebt.

von Daniel Trowski

Der wilde Todesrabe hockte drohend auf dem Turm,
Schrie in Mitten des Lärms und erweckte den Sturm.

"Der Todesrabe" von George Borrow (1803-1881),
englischer Schriftsteller

 

Rabenvögel im Glauben der Kelten

Krähen und ihre Verwandten wie z.B. die Raben, Dohlen und Elstern waren bei den Kelten weitverbreitete Symbole. Da uns die meisten Überlieferungen keltischer Kultur in bildlicher Form vorliegen, ist es allerdings meist nicht möglich, sicher zu sagen, um welchen schwarzen Vogel es sich gerade handelt. Auf jeden Fall wurden diese Vögel auf Münzen und Helmen abgebildet und waren den Göttern geweiht. Weibliche Gottheiten, die mit ihnen dargestellt wurden, waren entweder mit Krieg und Tod verbunden oder waren Gestaltwandler, die deren Form annehmen konnten. So hatten die keltischen Kriegsgöttinnen Macha, Badh und Morrigan Rabenvögel als Begleiter, und die Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin Medb konnte die Gestalt eines solchen Vogels annehmen.

Macha, die rote Göttin des Krieges, unterhält sich mit einem Raben

Die Erdgöttin Medb bearbeitet den Acker, während Krähen über ihr Kreisen

 

Branwen, die keltische Schönheitsgöttin,
steht in der Meeresbrandung und
spricht mit einem weißen Raben

Die Gründung der französischen Stadt Lyon, die zu keltischen Zeiten die Hauptstadt des gallischen Reiches darstellte, soll an einer Stelle erfolgt sein, an der Raben vom Himmel fielen. Aus diesem Grund waren Rabenvögel in der gallischen Hauptstadt beliebte Motive für Münzen und Kunstgegenstände. Außerdem lebte in der Nähe dieser Stadt ein keltischer Clan mit dem Namen Branovices, was "Rabenkrieger" bedeutet.

Ursprünglich standen die Rabenvögel im keltischen Glauben wohl für Ruhelosigkeit und galten als Auslöser von Zwistigkeiten. Später erhielten sie ähnlich wie die Raben, die viele amerikanische Indianerstämme als Totemtier verehrten, die Eigenschaften der Weisheit und der Wahrheitsliebe zugeordnet.

Es gibt eine Reihe von keltischen Orten, die das Wort "Rabe" in ihrem Namen enthalten, und wahrscheinlich gab es ursprünglich sogar einen eigenen Rabengott mit dem Namen Brendigeidvran, was "Gesegneter Rabe" bedeutet. Dieser Gott war vermutlich der Bruder von Branwen, der keltischen Göttin der Liebe und Schönheit, die einen weißen Raben als Begleiter hatte und mit Seen und anderen Wasserflächen in Verbindung gebracht wurde. Zu der Zeit als Branwen und Brendigeidvran verehrt wurden, trat die militärische Seite der Rabenvögel bereits in den Hintergund und ihre magische Bedeutung nahm im Glauben der Kelten zu. Als Brendigeidvran starb, sagte er z.B. seiner Frau, die bei ihm am Totenbett wachte, mit Hilfe seiner Raben die nächsten 87 Jahre vorher. Und nach seinem Tod soll sein Kopf an der Stelle Londons begraben worden sein, wo heute der Tower steht, der wegen seiner vielen Raben berühmt ist

 

Oh wilder Todesrabe, zügle deine schreckliche Wut,
führ keinen Krieg mit einem, dem zum Kriege fehlt der Mut.

"Der Todesrabe" von George Borrow (1803-1881),
englischer Schriftsteller

 

Rabenvögel als militärische Symbole

Die folgende walisische Erzählung mit dem Titel "Der Traum von Rhonabwys" stammt aus dem Sagenkreis um König Arthus und zeigt deutlich, wie die Rabenvögel im keltischen Glauben mit Krieg und Schlachten verbunden waren. Die Erzählung handelt von den Raben Owains, welche die tödliche militärische Macht dieses Anführers der britischen Armee symbolisieren:


Ein Ritter beobachtet einen Schwarm
Raben, die sich gerade auf den Leichen
der Gefallenen niederlassen

Arthur und Owain ap Urien saßen an einem Tisch und spielten das Gwyddbywll-Spiel, welches wörtlich übersetzt "Das Spiel des verständigen Holzes" bedeutet und dem heutigen Schach ähnlich war. Während die beiden spielten, bekämpften sich ihre Armeen und drei Schildknappen Owains kamen und meldeten, dass Arthus Krieger einige Raben gefangen, angegriffen und getötet hatten. Owain bat daraufhin Arthus, seine Krieger zurückzuziehen. Doch dieser beendete nur das laufende Spiel und begann eine neue Partie. Wieder kam ein Schildknappe mit einer ähnlichen Meldung. Owain bat Arthus erneut, er möge seinen Männern Einhalt gebieten, aber Arthus reagierte nicht. Sie beendeten das augenblickliche Spiel und begannen eine neue Partie. Erneut kam ein Schildknappe und meldete den Tod vieler Raben. Und Owain bat Arthus wieder, seine Männer zurückzuziehen. Da Arthus aber offensichtlich nicht auf ihn hören wollte und Owain nur aufforderte weiterzuspielen, ließ Owain seine Standarte in Mitten des Schlachtengetümmels aufstellen. Sofort erholten sich seine Raben und gingen zum Gegenangriff über. Sie trugen die Köpfe, Augen, Ohren und Arme derer davon, die sie verwundet hatten, zerhackten sie in kleine Stücke und fraßen sie auf. Einer von Arthus Rittern kam zu den Spielenden und meldete ihm den Tod vieler seiner Krieger. Da bat Arthus Owain, er möge sich zurückziehen. Doch diesmal bestand Owain darauf, weiterzuspielen. Und so ging die Schlacht weiter bis wieder einer von Arthus Rittern kam und das Abschlachten von so vielen guten Kriegern Britanniens meldete, dass es nur mehr schwer möglich wäre, die Insel zu verteidigen. Wieder bat Arthus Owain, er möge seine Raben zurückziehen. Aber Owain ließ sich nicht stören und bestand darauf, das Spiel fortzusetzen. Und sie spielten diese Partie zu Ende und begannen eine neue. Und als dieses Spiel endete kam erneut ein Ritter zu Arthus und meldete, dass alle edlen Krieger der Insel gefallen seien. Erneut verlangte Arthus den Rückzug von Owains Raben und zerschlug zugleich die goldenen Spielfiguren zu Staub. Nun ließ Owain endlich die Standarte einholen und es herrschte wieder Frieden.

 

Sie überprüfte das Gewebe:
Ein Rabenumhang, gesponnen von einer Gottheit längst vergessen,
um sich beim Herumstreifen in dunkler Verborgenheit zu kleiden.

"Träger des Lichts" von Christina K. Tower,
amerikanische Dichterin

 

Rabenvögel als Begleiter der Helden


Der irische Volksheld CuChulainn

Wichtige keltische Helden und Könige wurden oft mit Raben in Verbindung gebracht. So trägt z.B. der Wagenlenker des irischen Volkshelden CuChulainn einen Kapuzenumhang aus Rabenfedern, wenn er seinen Herrn in den Krieg fährt.

Auch die Seele von König Arthus soll, nachdem er bei der Schlacht in Camlan gefallen war, als riesiger Rabe aufgestiegen sein und seitdem über Großbritannien schweben, um eines Tages als Herrscher über das vereinte Königreich wiederzukehren.

Trotz dieser positiven Verbindung zwischen Rabenvögeln und wichtigen keltischen Helden und Königen wurden diese Vögel immer auch mit negativen Dingen in Verbindung gebracht, was sich später zum Volksglauben weiterentwickelte, dass Hexen und dunkle Magier Raben als Begleiter hätten. In einigen walisischen Sprichwörtern ist diese dunkle Seite der Rabenvögel bis heute erhalten geblieben:

"rhwng y cwn a'r brain" heißt z.B. wörtlich übersetzt "zwischen Hunden und Raben" und bedeutet, dass etwas ein böses Ende nehmen wird. "ym mhig y fran" dagegen bedeutet wörtlich "im Schnabel des Raben" und wird für Dinge verwendet, die unter den schwierigsten Umständen erledigt werden müssen.

Rabe und Fuchs
Ein Rabe hatte einen Käse gestohlen, flog damit auf einen Baum und wollte dort seine Beute in Ruhe verzehren. Da es aber der Raben Art ist, beim Essen nicht schweigen zu können, hörte ein vorbeikommender Fuchs den Raben über dem Käse krächzen. Er lief eilig hinzu und begann den Raben zu loben: „O Rabe, was bist du für ein wunderbarer Vogel! Wenn dein Gesang ebenso schön ist wie dein Gefieder, dann sollte man dich zum König aller Vögel krönen!” Dem Raben taten diese Schmeicheleien so wohl, daß er seinen Schnabel weit aufsperrte, um dem Fuchs etwas vorzusingen. Dabei entfiel ihm der Käse. Den nahm der Fuchs behend, fraß ihn und lachte über den törichten Raben.

Äsop/Fabeln

ond zruck